Hochwasserschutz in Tangerhütte: Große Herausforderungen bleiben
Deichsanierung in Bittkau pausiert, Flutpolder Tangermünde als Hoffnungsträger gegen Elbe-Hochwasser

Die Hochwassergefahr an der Elbe bleibt eine zentrale Herausforderung für die Einheitsgemeinde Tangerhütte. Am heutigen Montag kommt der sogenannte DIN-Deich-Ausschuss zusammen, um den aktuellen Stand der Schutzmaßnahmen zu analysieren und vor allem einen Blick auf zukünftige Projekte im Bereich Deichsanierung und Flutpolder zu werfen.
Schwerpunkt auf Bittkau und Tangermünde
Kernpunkte der Sitzung sind die geplante Deichsanierung in Bittkau und der Flutpolder Tangermünde. Beide Maßnahmen stehen für die Bemühungen der Region, sich gegen Extremhochwasser effektiv abzusichern und auf langfristige Veränderungen – etwa durch den Klimawandel – zu reagieren.
Rolle des DIN-Deich-Ausschusses
Das Gremium begleitet die Umsetzung der Zusagen des Landesamtes für Hochwasserschutz (LHW) und sorgt für die Überprüfung der Einhaltung getroffener Versprechungen. Nach Abschluss der Sanierung des Treueldeiches richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf die neuen Herausforderungen in Bittkau und Tangermünde.
Deichsanierung Bittkau: Schwierige Perspektiven
Für den Bereich Bittkau wurden bereits 2018 planerische Grundlagen gelegt. Die favorisierte Variante einer Vorverlegung des Deiches ins Vorland lässt sich allerdings aus wasserrechtlichen Gründen nicht umsetzen, da eine Verengung des Abflussquerschnitts der Elbe verhindert werden muss. Auch wirtschaftlich ist das Projekt laut einer Prüfung bisher nicht darstellbar, weswegen es vorerst zurückgestellt wurde.
Christian Jöckel, Leiter des Geschäftsbereichs Planung Flutpolder beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW), verdeutlichte im Bauausschuss am 4. Juni 2025, dass das Land aktuell nur rund die Hälfte der nötigen Mittel für alle angestrebten Hochwasserschutzprojekte zur Verfügung hat – eine Priorisierung bleibt unumgänglich.
Flutpolder Tangermünde: Neue Wege im Hochwasserschutz
Ein zukunftsweisendes Projekt stellt der geplante Flutpolder Tangermünde dar. Das Konzept sieht eine gezielte Rückverlegung der Deichtrasse und steuerbare Ein- und Auslaufbauwerke vor, um bei Extremhochwasserlagen Wasser kontrolliert aufnehmen und zwischenzeitlich speichern zu können. Die geplante Maßnahme soll Spitzen der Hochwasserwelle um etwa 200 m³/s abmindern und damit den Wasserstand im Unterlauf der Elbe rund 16 cm senken.
Der Standort Tangermünde wird vom LHW als besonders geeignet bewertet, da bereits ein ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet vorliegt und nur ein relativ kurzer neuer Deich gebaut werden müsste. Ziel ist es, eine Systemreserve gegen künftige Extremereignisse zu etablieren und bestehende Schutzsysteme sinnvoll zu ergänzen.
Langer Planungshorizont und Beteiligung der Region
Die Umsetzung des Flutpolder-Projekts ist aufwendig. Das LHW rechnet mit einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren von der Ausschreibung der Planungsleistungen über das Genehmigungsverfahren bis zur eigentlichen Bauausführung. Um Transparenz und Akzeptanz zu schaffen, soll eine regelmäßige Beteiligung der Region durch eine jährliche Kontaktgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Gemeinden sowie Fachbehörden erfolgen.
Ausblick und Bedeutung für die Region
Die Herausforderungen des Hochwasserschutzes an der Elbe sind keineswegs gelöst, aber durch langfristige Planung und innovative Ansätze wie den Flutpolder Tangermünde ergeben sich neue Perspektiven. Während für Bittkau derzeit keine kurzfristige Lösung in Sicht ist, signalisiert das Flutpolder-Projekt einen wichtigen Schritt, um Risiken künftig besser kontrollieren zu können.
Mit der heutigen Sitzung und der Wahl der neuen Vorsitzenden bleibt der DIN-Deich-Ausschuss ein wichtiger Impulsgeber. Die vorerst auf zwei Jahre angelegte Arbeit des Gremiums unterstreicht den Willen zu kontinuierlicher Kontrolle und Weiterentwicklung des Hochwasserschutzes im Norden Sachsen-Anhalts.
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