Einzigartiger Wiegendruck im Harzmuseum
Seltenes Buch aus dem 15. Jahrhundert beleuchtet Klosterleben und Buchdruckgeschichte in Wernigerode

Ein außergewöhnlich wertvoller Band aus dem späten 15. Jahrhundert bereichert ab sofort die Sonderausstellung im Harzmuseum Wernigerode. Das seltene Buch, ein sogenannter Wiegendruck aus der einstigen Klosterbibliothek des Augustiner-Eremitenklosters bei Wernigerode, wurde kürzlich vom Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein erworben und nach öffentlicher Übergabe der Stadt geschenkt.
Historischer Fund aus der Klosterbibliothek
Die Geschichte des mittelalterlichen Bandes reicht zurück bis in die Jahre 1491/1493. Bis zur Plünderung und Zerstörung des Klosters durch aufständische Bürger im Frühjahr 1525 wurde das Werk von Augustinermönchen genutzt. Der nun übergebene Wiegendruck wurde aus Privatbesitz erworben. Besonders hervorzuheben ist, dass der Verkäufer Wert auf einen dauerhaften Verbleib im öffentlichen Besitz legte, was der Verein mit seiner Schenkung an die Stadt nun sicherstellt.
Bedeutung für Forschung und Öffentlichkeit
Die Inkunabel ist nun Teil der aktuellen Sonderausstellung im Harzmuseum, die sich dem Kloster Himmelpforte und dem Bauernkrieg widmet. Damit steht das einzigartige Schriftstück Besuchern wie Wissenschaftlern gleichermaßen zur Verfügung.
Der Vorsitzende des Wernigeröder Geschichts- und Heimatvereins, Ludwig Hoffmann, betont die besondere Bedeutung der Rückkehr: „Wir sind glücklich über diese seltene Rückkehr. Ohne die großzügige Unterstützung der Harzsparkasse wäre dieser Ankauf nicht denkbar gewesen. Wir freuen uns sehr, dass wir den Band übergeben konnten. Er soll sowohl die Ausstellung bereichern als auch der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen. Die sonst verschollene Handschrift wird dadurch vor Ort und im Detail sichtbar gemacht; das tägliche Leben der Mönche wird so erfahrbar.“
Einmalige Quellenlage – nur zwei bekannte Exemplare
Im Rahmen von Ausgrabungen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt wurden 2023/2024 die Überreste des zerstörten Klosters erstmals nach 500 Jahren wieder freigelegt. Die Herkunft des Buches konnte durch einen originalen lateinischen Eintrag „Himmelpforte“ zweifelsfrei belegt werden. Weltweit existieren lediglich zwei derartige Exemplare aus der Himmelpforte-Bibliothek, eines in der British Library in London und das nun in Wernigerode verwahrte Buch.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Kloster, zum Bauernkrieg und zur Buchgeschichte hat der Darlingeröder Heimatforscher Eberhard Schröder in seinem Buch „Kloster Himmelpforte“ dokumentiert. Er vermittelte auch den Kontakt zum bisherigen Eigentümer.
Ein Stück Lokalgeschichte bewahrt
Bildmaterial zur Übergabe des Bandes durch Ludwig Hoffmann an Olaf Ahrens sowie zur Inkunabel ist auf Anfrage verfügbar.
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